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Methodik

Methodik · Simulator

Wie wir die Baily-Perlen simulieren

Reales Mondrand-Relief, präzise Ephemeriden und eine physikalische fotografische Belichtung: Was Sie im Simulator sehen, ist berechnet — nicht gezeichnet.

Was der Simulator zeigt

Der Simulator reproduziert für Ihren Standort die reale Geometrie der Finsternis: die Kontakte C1–C4, die Sonnensichel und die Baily-Perlen — die letzten Punkte der Photosphäre, die unmittelbar vor und nach der Totalität durch die Täler des Mondrands leuchten.

Positionen und Zeiten der Perlen sind nicht dekorativ: Jede Perle entspricht einem realen Tal des Mondrands, ihr Zeitpunkt folgt aus dem topografischen Mondprofil und der scheinbaren Sonne–Mond-Bahn vom gewählten Punkt aus. Die Kontakte C2 und C3 werden mit demselben Profil korrigiert: Die effektive Totalität ist meist einige Sekunden kürzer als bei einem „glatten“ Mond — das Panel zeigt es an.

Die Perlen werden nicht gezeichnet: sie entstehen

Der Simulator verdeckt die Photosphäre mit dem realen Mondrand-Profil. Wo sich das Relief erhebt, wird das Licht abgeschnitten; wo ein Tal liegt, kommt ein Faden Photosphäre — Bruchteile einer Bogensekunde — noch durch. Dieser Faden ist die Perle.

Deshalb ändert sich das Muster von Ort zu Ort und von Zehntelsekunde zu Zehntelsekunde: Es hängt allein von der Geometrie ab, nicht von einer vorab aufgezeichneten Animation.

Photosphäre (Sonnenrand)Randrelief (überhöht)Tal → PerleMond
Das Prinzip des Simulators: Das reale Mondrand-Profil (hier überhöht) schneidet in den Sonnenrand; nur Täler lassen Perlen durch.

Daten und Referenzen

Die Berechnung stützt sich auf dieselben Datenfamilien wie die Finsternis-Kontakt-Literatur:

  • Mondtopografie: Modelle SLDEM2015 (SELENE/Kaguya + LRO) und LOLA (Lunar Reconnaissance Orbiter).
  • Ephemeriden: präzise Planeten- und Mondreihen des NASA JPL, mit Mondorientierung aus den SPICE-Kernels.
  • Finsternis-Rahmen: Besselsche Elemente aus dem NASA-Finsterniskanon (Espenak).
  • Randprofil: Der Mondrand wird in ~1.800 Richtungen um die Scheibe abgetastet, mit der Libration des Finsternis-Zeitpunkts.
  • Korona: klassisches radiales Helligkeitsprofil (Baumbach / van de Hulst). Chromosphäre in ihrer realen Dicke (~3,5″) dargestellt.

Die fotografische Belichtung (EV)

Der Belichtungsregler reproduziert, was eine echte Kamera erfasst: Die relativen Leuchtdichten von Photosphäre, Chromosphäre, Protuberanzen und Korona unterscheiden sich um mehrere Größenordnungen — keine einzelne Belichtung kann alles zugleich zeigen. Kurze Belichtungen zeigen Perlen und Chromosphäre; lange die Korona — wie in einer echten Fotosequenz.

Die Feinstruktur von Korona und Protuberanzen ist illustrativ; ihre relative Helligkeit und ihr Belichtungsverhalten folgen dem physikalischen Modell.

Abdeckung nach Zonen

Randprofil und Perlen werden für rund hundert Referenzorte entlang des Totalitätsstreifens berechnet. Jeder andere Punkt nutzt die nächstgelegene Referenz (typisch unter 50 km, immer unter 120 km): Auf diese Distanzen ändert sich das Profil kaum, weil die Mondlibration mit der Beobachterposition nur sehr langsam variiert.

Die Kontaktzeiten werden dagegen immer für Ihre exakten Koordinaten berechnet, und die Perlen werden daran neu verankert. Das Label „berechnet für …“ im Simulator nennt die verwendete Profilreferenz.

Erklärte Grenzen

  • Die individuelle Helligkeit jeder Perle ist orientierend: Position und Zeitpunkt sind berechnet; Feinphotometrie (Seeing, Beugung, Optik der Ausrüstung) wird nicht modelliert.
  • Korona und Protuberanzen: illustrative Struktur — die reale Korona des 12. August 2026 hängt von der Sonnenaktivität dieses Tages ab.
  • Das Randrelief am Bildschirm ist überhöht (und einstellbar): im realen Maßstab ist es feiner als ein Pixel.

Wir gleichen das Verhalten des Simulators mit der Kontakt-Literatur und mit fotografisch verifizierten Referenzsimulatoren ab.